"Noch immer nicht trocken!"Wann ist es Einnässen - und dann?Gabriele Haug-Schnabel
Bis zum fünften Lebensjahr können 85% aller Kinder ihre Blase tags und nachts kontrolliert entleeren. Sie sind "trocken" geworden. Von Einnässen spricht man erst nach dem 5. Ge-burtstag, da in diesem Alter die psychische und physiologische Reifung bei 9 von 10 Kindern eine kontrollierte Blasenentleerung möglich macht.
Weshalb nässt ein Kind ein? Einnässen kann verschiedene Ursachen haben. Völlig unbedenklich ist das Spieleifernässen, ein meist kurzes Übergangsstadium auf dem Weg zur perfekten Blasenkontrolle. Kinder, die sehr aktiv sind oder intensiv spielen, zögern einen nötigen Toilettengang oft möglichst lange hinaus, um ja nichts Spannendes zu versäumen - bis es zu spät ist und die volle Blase überläuft. Eltern können hier Vorsorge treffen, wenn sie ihr Kind vor Spielaktionen zur Toilette schicken und auf Anzeichen von Harndrang (wie Trippeln, Zusammenpressen der Schenkel) aufmerksam machen. Das wirkt schnell, vor allem, wenn das Kind einsieht, dass ein Toilettenbesuch letztlich weniger Zeit kostet als ein Kleiderwechsel. Enuresis nennt man das unwillkürliche Einnässen ohne funktionelle oder organische Gründe. Hier findet eine normale, weitgehend vollständige Blasenentleerung statt, nur am falschen Platz und zur falschen Zeit. Die Harnabgabe selbst ist unauffällig. Der weitaus größte Teil der einnässenden Kinder hat eine Enuresis. Von einer normalen Blasenentleerung kann man bei einer Harninkontinenz (siehe Kasten: Formen der Harninkontinenz) nicht sprechen. Der ungewollte Harnabgang verläuft auffällig. Körperliche Störungen oder Fehlfunktionen im Nieren-, Blasen- und Harnwegsbereich sind die Ursache. Bei allen einnässenden Kindern sollte nach dem 5. Geburtstag geklärt werden, ob eine Enuresis oder eine Inkontinenz vorliegt (siehe Kasten: Standard-Diagnostik für einnässende Kinder).
Liegt eine Inkontinenz vor, so behandeln Kinderärzte, Kinderurologen oder Kinderpsychiater je nach Funktionsstörung meist mit unterschiedlichen Medikamenten oder Toiletten-Training. Nur bei einem massiven Krankheitsverdacht stehen weitere Untersuchungen an. Liegt eine Enuresis vor, also keine Fehlfunktion, Fehlbildung oder Erkrankung, die für das Einnässen verantwortlich ist, sind blasenorientierte Therapiemaßnahmen unangebracht. Es ist wichtig, Licht ins Einnässdunkel zu bringen Kann durch Flüssigkeitseinschränkung am Nachmittag, Trinkverbot am Abend und nächtliches Wecken eine Enuresis beendet werden? fragen Eltern häufig. Nein, denn das Einnässen passiert nicht aufgrund einer zu kleinen, zu schwachen oder zu vollen Blase, sondern unabhängig von der Blasenfüllmenge. Ursache sind oft Ereignisse, die das Kind belasten. Ein Kalender, in den Eltern gemeinsam mit ihren Kindern stichwortartig den Tagesverlauf und dann die Bilanz "trocken" oder "nass" eintragen, offenbart schnell, welche Vorkommnisse es sind, die das Kind einnässen lassen. Aber auch, welche positiven Ereignisse trockene Nächte oder Tage ohne Zwischenfall zur Folge haben. Der neue Weg zum Trockenwerden Beenden Sie alle erfolglosen Therapieversuche, sehen Sie nicht nur die Blase, sondern das ganze Kind, werden Sie hellhörig für seinen Kummer, helfen Sie ihm, seine Erlebnisse besser zu bewältigen - und geben sie ihm die Verantwortung über seine Blase zurück. Geben Sie Ihren Job als Blasen-Kontrolleur auf und arbeiten Sie sich über die Stufe des Belastungs-Detektivs zum Sorgenmanager hoch. Ihr Kind wird trocken und selbstbewusst. Mehr Informationen: siehe Literaturliste *Miktion: Harnlassen, Anm. d. Redaktion
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