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Erziehung | Alltag
Musikalische Früherziehung
Luxus oder Chance?
von  Hilde Burger
 
 
 
"Musik macht klug", so lautet ein Buchtitel der Musikpädagogin Dorothée Kreusch-Jacob. Es gibt mittlerweile viele Untersuchungen, die diese Behauptung belegen. Kinder, die früh mit Musik in Kontakt kommen, viel Musik hören oder ein Instrument spielen, entwickeln eine höhere Intelligenz und mehr Kreativität im Denken als andere. Sie sind zudem ausgeglichener und kommunikativer und verhalten sich sozialer. So beobachteten Gehirnforscher beispielsweise, dass Kinder, die im Vorschulalter Klänge unterscheiden lernen, auch früher und besser lesen lernen. Eine Langzeitstudie an einer Berliner Grundschule zeigte, dass Kinder mit regelmäßigem Musikunterricht in den Bereichen Sozialverhalten, Intelligenz, Psychomotorik und Wahrnehmungsfähigkeit ihren nicht musizierenden Altersgenossen gegenüber einen Vorsprung besitzen.

Beim Musizieren arbeiten beide Gehirnhälften zusammen

Die Erklärung der Neurologen leuchtet ein: Musizieren vor dem siebten Lebensjahr fördert die Entwicklung der Assoziationsbahnen (Balken) zwischen den beiden Gehirnhälften. Beim Singen von Liedern mit gleichzeitig ausgeführten Bewegungen werden beide Gehirnhälften benötigt, da die Zentren für die Sprache in der linken und für Musik, Rhythmus und Tanz in der rechten Gehirnhälfte liegen. Intelligente, komplexe Leistungen sind nur dann möglich, wenn beide Gehirnhälften gut ausgebildet sind und der Austausch zwischen beiden gut funktioniert. Außerdem lernen Kinder in den so genannten "sensiblen Phasen" (zwischen drei bis zwölf Jahren) bestimmte Fähigkeiten besonders schnell. Dann nämlich werden neuronale Schaltkreise so dicht und leistungsfähig miteinander verknüpft, wie dies später nicht mehr möglich ist. Deshalb ist für die musikalische Entwicklung - wie natürlich auch für die sprachliche und motorische - ausschlaggebend, in welchem Alter ein Kind Anregung und Förderung bekommt.

Kinder lernen Instrumente kennen

Sicherlich ist es für die meisten Kindergartenkinder noch zu früh, ein Instrument zu erlernen. Gerade im Vorschulalter aber sind viele musikalische Fähigkeiten besonders entwicklungsfähig. Hier setzt das Konzept der "musikalischen Früherziehung" an. Diese Frühförderung greift die kindliche Begeisterung auf für alles, was klingt, für Singen und Bewegung, und bringt Kindern Musik auf spielerische Weise näher.
Was machen die Kinder da eigentlich, werden sich viele Eltern fragen? Kurz gesagt: Sie singen, spielen auf Orff-Instrumenten, machen erste Erfahrungen mit der Musiklehre, hören Musikstücke verschiedener Stilrichtungen und aus fremden Ländern und setzen Musik in Bewegung um.

Bewegung ist ein elementares Bedürfnis von Kindern und nimmt in der musikalischen Früherziehung viel Raum ein. Kinder erfassen Musik mit dem ganzen Körper: Sie hüpfen und drehen sich oder klatschen im Rhythmus in die Hände. Über Bewegungen spüren sie Tempo, Dynamik und Charakter eines Musikstücks. Durch eine Vielfalt an Musikstücken aus verschiedenen Epochen lernen Kinder auch eine große Bandbreite an Instrumenten kennen. Stehen Instrumente an den Musikschulen zur Verfügung, können die Kinder sie tatsächlich erleben und ausprobieren. Das weckt die Neugierde und motiviert die Kinder vielleicht, später selbst ein Instrument zu lernen.

Das soziale Lernen wird gefördert

Während der musikalischen Früherziehung spielen die Kinder mit dem so genannten elementaren Instrumentarium. Das sind Instrumente, die ohne schwer zu erlernende Spieltechnik zum Klingen gebracht werden können. Hierzu gehören Pauken, Trommeln, Triangeln, verschiedene Rasseln, Glockenspiele und Xylophone, um nur einige wenige zu nennen. Um die Instrumente kennen zu lernen, geht es zunächst darum, zu erzählten Geschichten Klänge zu erzeugen.
Allgemeine Rahmenbedingungen:

Die Gruppengröße beträgt zwischen acht und zwölf, in Ausnahmefällen bis zu 15 Kinder.
Das Alter des Kindes: Es empfiehlt sich, zwei Jahre vor der Einschulung zu beginnen, also mit vier oder fünf Jahren.
Zeitraum: Zwischen 45 und 60 Minuten dauert eine "Musikstunde"; insgesamt erstreckt sich die Früherziehung über zwei Jahre. Der Unterricht findet nur während der Schulzeit statt, also nicht in den Ferien.
Die Kosten belaufen sich auf durchschnittlich 15 bis 30 Euro im Monat pro Kind.
Die meisten Musikschulen gehören dem Verband deutscher Musikschulen (VdM) an und orientieren sich an dessen Richtlinien. Bei Fragen wenden Sie sich an die Bundesgeschäftsstelle des VdM in der Plittersdorfer Str. 93, 53173 Bonn, Tel. 02 28/9 57 06-0, Fax 02 28/9 57 06-33, E-mail: kontakt@musikschulen.de, Internet: www.musikschulen.de
Allmählich können die Kinder dann einfache Rhythmen auf die Instrumente übertragen und schließlich sogar einfache Stücke spielen. Hierbei wird auch das soziale Lernen gefördert: Die Kinder lernen beim Zusammenspiel auf andere zu hören und gleichzeitig eigenständig zu bleiben.

Das Hören von Musik leistet noch ein Weiteres: Es fördert die Hörkonzentration unserer Kinder in einer Zeit, in der wir durch die ständige Berieselung von meistens synthetisch erzeugter Musik taub geworden sind für richtiges Hinhören.
Und nicht zuletzt bringt die musikalische Früherziehung Kinder mit Musik in Berührung, die sie im Elternhaus oft gar nicht mehr zu hören bekommen: mit der Musik großer Komponisten wie zum Beispiel "Die Zauberflöte" oder "Die kleine Nachtmusik" von Mozart, "Peter und der Wolf" von Prokofjew oder "Der Nussknacker" von Tschaikowsky. Solche Hörerlebnisse können für Kinder zu "Inseln der Ruhe im turbulenten Kinderalltag" werden, schreibt Dorothée Kreusch-Jacob.

Wie auch später beim Instrumentalunterricht steht und fällt die musikalische Früherziehung mit der Person des Lehrers/der Lehrerin. Gelingt es diesem/dieser, einen Zugang zum Kind zu finden, wird sich das Kind für die Musik öffnen können und Spaß daran haben. Hier ist es durchaus ratsam, andere Eltern nach deren Erfahrungen mit einzelnen Lehrern/Lehrerinnen zu fragen. Anfangs ist es auch möglich, beim Unterricht dabei zu sein; außerdem veranstalten die meisten Musikschulen Info-Abende, in denen sie ihr Konzept und die LehrerInnen vorstellen. Dabei können Sie sich ein eigenes Bild von den pädagogischen Fähigkeiten der Unterrichtenden machen.

Sich von Musik berühren lassen

Sinn und Zweck der musikalischen Früherziehung ist nicht in erster Linie die Vorbereitung auf den Instrumentalunterricht. Vielmehr geht es um eine möglichst breite musikalische Förderung der Kinder. Kinder, die sich nach den zwei Jahren (über diesen Zeitraum geht im Allgemeinen die musikalische Früherziehung) nicht für ein Instrument entscheiden, haben vielleicht ganz andere Vorlieben entwickelt, wie zum Beispiel das Singen, Tanzen, Theaterspielen oder Malen. Profitieren wird sicherlich jedes Kind von den Stunden, denn Musik wirkt fördernd für Körper, Geist und Seele. Und zwar jenseits der Begriffe "musikalisch" oder "unmusikalisch". Denn darin sind sich MusikpädagogInnen einig: Jedes Kind ist in dem Sinn musikalisch, dass es sich von Musik berühren lassen kann. Und deshalb sollte jedes Kind in den Genuss einer musikalischen Förderung kommen, die im Rahmen einer ganzheitlichen Erziehung eine Notwendigkeit und Chance ist. Und noch eins: Sollten Ihnen die Kursgebühren zu hoch sein, beteiligen sich vielleicht Großeltern oder Paten an den Kosten oder übernehmen sie ganz.





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