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Erziehung | Entwicklung
Die Entwicklung im zweiten Lebensjahr
Laufen und Denken - mehr Autonomie in der erweiterten Welt
von  Johannes Sabel
 
 
 
Im zweiten Lebensjahr lernt das Kind, selbständig zu gehen, erkundet seine Umwelt eigenständig, kann einfache Sätze formulieren, und es entwickelt die Denkfähigkeit, Handlungen im voraus zu 'planen'. Besonders der erweitere Aktionsradius des Kindes bringt es oft in verunsichernde Situation, die nur dann als positiv erfahren werden, wenn es sich wieder zur primären Bezugsperson zurückziehen kann.

Zwischen dem zwölften und fünfzehnten Monat beginnt das Kind, selbständig zu laufen, und im zweiten Jahr entwickelt sich auch die Fähigkeit, einen ergriffenen Gegenstand gezielt wieder loszulassen. Diese Koordinationssteigerung zeigt sich auch in zweihändigen Bewegungsabläufen: Die Tätigkeiten beider Hände können besser aufeinander abgestimmt werden; so kann nun eine Schachtel mit beiden Händen geöffnet werden.

Sozial-emotionale Entwicklung: Ich-Bewusstsein

Mit den gesteigerten motorischen Fähigkeiten, besonders dem Laufen, erweitert sich der Aktionsradius des Kindes. Es kann sich selbständig und weiter von den Eltern entfernen, mit den Gegenstände, die es bei diesen 'Ausflügen' entdeckt, kann es gezielter umgehen. In dieser Phase kommt also der Wechsel zwischen vertrauter Umgebung, der Nähe zu der wichtigsten Bezugsperson, und dem eigenständigen Erkunden der Umwelt besonders zum Tragen. Das Kind will sich ausprobieren, zieht sich aber bei Verängstigung, Überforderung oder Unsicherheit blitzartig zurück und sucht die sichere Anbindung an die Bezugsperson. Diese oft als 'kritische Phase' beschriebene Zeit - die bis ins dritte oder vierte Lebensjahr reicht -, ist entscheidend für die Entwicklung eines stabilen Selbstbewussteins und einer späteren emotionale Bindungsfähigkeit an andere Personen. Für die Bezugsperson in dieser Phase heißt das, den notwendigen Rückhalt zu bieten und gleichzeitig dem Forscherdrang des Kindes Freiraum zu geben.

Zuwachs an Kompetenzgefühl und Selbstbewusstsein

Die Erfahrung, mit vielen kleinen Trennungserlebnisses umgehen zu können, sich den Zeitpunkt der Trennung von der wichtigsten Bezugsperson selbst aussuchen zu können, bedeutet den Zuwachs an Kompetenzgefühl und damit Ich- und Selbstbewusstsein. Das gezielte Aufsuchen von solchen selbstgewählten Trennungsmomenten ist für das zweite Lebensjahr charakteristisch: Das Kind zieht sich ein Tuch über den Kopf oder versteckt sich. So stellt es kurzzeitig eine eigene Welt her, die es selbst wieder verlassen kann.
Aufgrund des sich verstärkenden Ich-Bewussteins wird die besondere Bedeutung des Spiels verständlich. Das Kind erwirbt im Spiel die Erfahrung, sich selbst in einer Umgebung zu verhalten; es gewinnt Bewusstsein von sich und seiner Umwelt. Typisch dafür ist, dass das Kleinkind lieber seinen ganzen Körper zum Einsatz bringt, als sich mit diffizilen, feinmotorischen Tätigkeiten zu beschäftigen. Es schaukelt gerne, krabbelt durch Tunnel, mag das Vibrieren eines Wagens. Es schiebt gerne große und unhandliche Gegenstände durch den Raum. All dies zeigt das grundsätzliche Ziel des Spielens, sich selbst als ganze, eigene Person in einer Umgebung und in Beziehung zu dieser zu erfahren.

Gewinn sozialer Fähigkeiten durch alterstypisches Rollenspiel

Besonders im alterstypischen Rollenspiel gewinnt das Kind soziale Fähigkeiten. Im Rollenspiel, das im zweiten Lebensjahr noch als Einzelspiel abläuft, identifziert sich das Kind mit Verhaltensweisen, die es bei Personen in seiner Umgebung beobachtet hat. Dieses Spiel läuft meist episodisch ab und folgt noch keiner langfristigeren 'Dramaturgie': Das Kind ahmt das Telefonieren der Eltern nach, öffnet Türen und schließt sie wieder, 'rasiert' sich, 'fährt Auto'.

kognitive Entwicklung: verinnerlichte Handlungsabläufe

War es für das erste Lebensjahr charakteristisch, dass das Kind keine inneren Bilder für einen Gegenstand hat, ein Objekt also nicht geistig permanent repräsentiert werden kann, so verändert sich dies im zweiten Lebensjahr. Das Kind gewinnt die Fähigkeit zur sogenannten Objektpermanenz. Diese entwickelt sich allerdings erst ab dem 18. Monat; vorher kombiniert das Kind auf immer neue Weisen alte Verhaltensmuster, um ein Ziel auf neuen Wegen zu erreichen: So zieht es etwa an der Tischdecke, wenn es einen Gegenstand will, der außerhalb seiner Reichweite liegt. Schon hier zeigt sich ein Bewusstein für die Wirkungen, die eine bestimmte Handlung hat. Schließlich steigert sich diese Fähigkeit zu dem, was Objektpermanenz und innere Repräsentation von Handlungen genannt wird. Das Kind weiß nun, dass ein Gegenstand, den es nicht mehr sieht, trotzdem noch existiert. Hätte es früher, im ersten Lebensjahr, nach einem Gegenstand dort gesucht, wo es ihn das letztemal gesehen hat, so kann es nun gezielt den neuen Ort eines Gegenstandes aufsuchen: Eine Kugel, die in einen Kasten gelegt wird und damit 'verschwindet', wird nun in dem Kasten gesucht. Mit dieser Fähigkeit geht einher, dass das Kind seine eigenen Handlungen und deren Wirkungen vor dem 'inneren Auge' ablaufen lassen kann.

Der Wortschatz nimmt jetzt enorm zu

Mit 18 Monaten erreicht das Kind normalerweise die 50-Wort-Grenze. Ab diesem Zeitpunkt nimmt der Wortschatz sehr schnell zu: Am Ende des zweiten Lebensjahres verfügt das Kind über ungefähr 200 Worte. Mit der Fähigkeit zur Objektpermanenz entsteht auch das Bewusstsein dafür, dass jedes Ding seinen eigenen Namen hat. Dabei kommt es auch zu dem Phänomen der sogenannten 'Übergeneralisierung' oder 'Überdiskriminierung'. Das heißt, dass ein Hund alle Vierbeiner bezeichnet oder aber "Ente" nur die Situation bezeichnet, in der das Kind mit seiner Plastikente in der Wanne spielt. Die Sätze des Kindes sind allerdings noch sehr einfach, meistens Zweiwortsätze wie "Hund bellt" oder "Saft haben".





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