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| Ein Platz für Schulkinder |
Pluspunkte für moderne Hortpädagogik
von Monika Wittmann
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Eine Studie des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung ergab: Während in Ostdeutschland über 40 Prozent der 6-12jährigen einen Hort besuchen, sind es in Westdeutschland nur ca. ein Zehntel. Die Eltern dieser Minderheit haben häufig mit Vorurteilen zu kämpfen. Man wirft ihnen vor, "Rabeneltern" zu sein oder unterstellt allen Hortkindern automatisch, aus einer sozialen "Brennpunktfamilie" zu stammen.
Dabei sind es häufig gerade pädagogisch interessierte Eltern, die sich bewusst für eine Hortbetreuung entscheiden. Denn die moderne Hortpädagogik hat viele Pluspunkte. Ergänzend zum schulischen Pflichtprogramm liegt der Schwerpunkt auf Freizeitpädagogik. So lernen Kinder, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten - ob im Spiel mit ihren Freunden oder bei gezielten Aktivitäten. Kicken, Schwimmen, Singen, Malen, Basteln, gemeinsame Waldwanderungen oder Museumsbesuche, - wenn Eltern ebensoviel möglich machen wollen wie viele Horte Woche für Woche, bleibt eine Menge kostbare Zeit auf der Strecke, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: beim Hin- und Herchauffieren zwischen Fußballplatz und Musikschule nämlich.
Lernen durch Tun
Dürfen Neunjährige ganz allein Plätzchen backen? Zuhause würden die meisten Eltern wohl erschreckt ablehnen. Ob aus Angst vor verbrannten Fingern oder vor dem Chaos in der Küche.
Im Hort dagegen werden Kinder ermuntert, selbstständig zu sein. Die Backtruppe wälzt Rezepte, notiert eine Einkaufsliste, geht in den Supermarkt, wiegt die Zutaten ab, knetet Teig, formt, sticht aus und zieht natürlich Topfhandschuhe an, wenn das heiße Blech aus dem Ofen muss. Ehrensache, dass hinterher gemeinsam sauber gemacht wird! So lernt man praktische Fähigkeiten - und übt ganz nebenbei, was für die Schule wichtig ist: Lesen, Schreiben und Rechnen.
Natürlich gibt es auch mal Probleme. Hortkinder verbringen im Schnitt eine volle Arbeitswoche - 40 Stunden - in der Klasse oder Gruppe. Wo viele Temperamente und verschiedene Nationalitäten aufeinander prallen, kommt es zwangsläufig zu Reibereien.
Doch anders als in der Schule, wo der Tag straff durchorganisiert sein muss, um den Schulstoff zu bewältigen, hat der Hort einen größeren zeitlichen Freiraum. Konflikte und kulturelle Unterschiede können gezielt aufgearbeitet werden. Im Stuhlkreis üben schüchterne Kinder, ihre Meinung laut und deutlich zu sagen. Und kleine Hitzköpfe erfahren, dass es dem anderen weh tut, wenn sie ihn anrempeln. Beim nächsten Mal suchen sie sich hoffentlich ein anderes Ventil für schlechte Laune.
Welcher Hort ist der Richtige?
Damit die Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Hortteam gut funktioniert, sollten Sie bei der Wahl des Hortes einige Punkte klären:
- Tagesheim, Hort an der Schule, Kooperationseinrichtung
Das Tagesheim ist enger mit der Schule vernetzt. Oft betreuen Lehrer die Kinder am Nachmittag zusammen mit einer pädagogischen Hilfskraft. Außerdem besuchen Schüler der gleichen Klasse gemeinsam eine Gruppe. Das kann z.B. von Vorteil bei den Hausaufgaben sein.
Dagegen ist der Hort organisatorisch von der Schule getrennt. Der "Hort an der Schule" hat seine Räume oft im Schulhaus. Es gibt aber auch Horte in separaten Gebäuden oder Kooperationseinrichtungen aus Kindergarten und Hort. Eine Sonderform sind so genannte "Familiengruppen". Hier sind Kinder vom Krippen- bis Schulalter in den Gruppen bunt gemischt. Das kann besonders für Kinder ohne Geschwister eine interessante Erfahrung sein.
- Konzept
Folgende Fragen könnten hier wichtig sein: Worauf legt die Einrichtung besonders viel Wert? Gibt es mehr feste gemeinsame Programmpunkte oder mehr Freispielzeiten; wie werden Konflikte zwischen den Kindern geregelt?
- Hausaufgabenbetreuung
Selbst der beste Hort ersetzt keine Nachhilfe bei Schulproblemen. Die Aufgaben und der schulische Fortschritt sollte in jedem Fall zu Hause kontrolliert werden. Im Hort ist im Normalfall keine Zeit, um den Lernstoff vor Prüfungen zu wiederholen oder Lesen zu üben.
In vielen Familien ist jedoch die Atmosphäre wesentlich entspannter, weil das Kind seine schriftlichen Aufgaben selbstständig im Hort erledigt. Zu Hause ist das Thema Schule oft Schauplatz für Machtkämpfe.
Zum Schluss ein Tipp: Nichts ist unmöglich. Gehen Sie offen auf die ErzieherInnen zu, bieten Sie Ihre Mithilfe an, engagieren Sie sich im Elternbeirat. So haben Sie die besten Chancen, Ihre Wünsche für Ihr Kind zu verwirklichen.
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