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| Zu Bett gehen |
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Frage
Hallo,
ich habe einen 27 Monate alten Sohn, der es von Geburt an nicht mit dem Schlafen hat. Mittags ist es jetzt total out und abends dauert es zwischen 30 und 60 Minuten, bis die Augen zu sind. Ich habe schon alles probiert - von ruhig reden, Geschichten vorlesen über etwas vorsingen, schimpfen und einfach gar nichts mehr sagen, sondern einfach nur wieder ins Bett legen. Egal, was für Aktivitäten stattgefunden haben, er ist einfach nicht "kleinzukriegen". Ich bin mit meinem Latein am Ende und hoffe, dass Sie mir vielleicht die zündende Idee und somit die Lösung für unser Problem schicken können.
Antwort von Daniela Liebich:
Dieses Problem kennen heutzutage ganz, ganz viele Eltern von Kleinkindern. Ca. 8o% der Kleinkinder haben diese Einschlafschwierigleiten. Zu laut, hektisch, aufregend, unruhig für kleine Gehirne und Seelen ist unser Leben, unser Alltag geworden. Es ist schwer, zur Ruhe zu kommen. Und: Einschlafen bedeutet Trennung.
Es ist ein sehr umfangreiches Thema, aber hier nun ein paar Tipps (und meine Meinung) dazu.
1. Einen möglichst ruhigen und gleichmäßigen Tagesablauf organisieren, mit nur selten aufregenden Unternehmungen. (Manchmal sind zum Beispiel schon große Mutter-Kind-Spielgruppen sehr anstrengend für aufgeweckte Zweijährige.) Besonders in der zweiten Tageshälfte soviel Ruhe wie möglich.
2. Wenn irgend möglich feste Essens- und Zu-Bett-geh-Zeiten (Ich weiß selbst, dass all dies oft in der Praxis schwierig ist). Ein festes Einschlafritual, möglichst nicht wechseln.
3. Was isst Ihr Sohn abends? Er sollte möglichst zwar sättigende, aber leicht verdauliche Nahrung zu sich nehmen. Kleinkinder sind oft sehr "verdauungsempfindlich". Vieles, von dem wir es nicht vermuten, liegt Kleinkindern schwer im Magen (z.B. Säfte, alles rohe Obst und Gemüse, Schokolade u.ä.). Wenn Sie einen naturheilkundlich orientierten Kinderarzt haben, sprechen Sie vielleicht mit ihm darüber.
4. Überhaupt könnten Sie mit Mineralien oder auch Bachblüten versuchen, Ihren Sohn etwas mehr zur Ruhe zu bringen.
5. Versuchen Sie möglichst klar und eindeutig zu sein in dem, was Sie bei der "Bett-geh-Prozedur" von ihm wollen. Möglichst nicht jeden Tag Rituale wechseln und andere Abläufe und Formulierungen benutzen. Zuverlässig wiederkehrende Prozeduren sind wichtig für Kinder, die schwer einschlafen.
6. Einen ganzen Behandlungsplan zum Thema Einschlafen finden Sie im Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" von A. Kast-Zahn und H. Morgenroth (Oberstebrink Verlag).
7. Ich persönlich bin aber, ehrlich gesagt, für die "natürlichste Lösung": wenn Sie es irgendwie schaffen, legen Sie oder Ihr Partner sich abwechselnd dazu. Allerdings ohne große "Show". Ihr Kind will und braucht Sie höchstwahrscheinlich in diesen Monaten ruhig und zuverlässig neben sich. Einschlafen ist für Kleinkinder sehr bedrohlich, und es braucht Ihre Nähe. Es will Sie nicht ausnutzen, und Sie verwöhnen es damit nicht! Je selbstversändlicher es Ihnen gelingt, für Ihr Kind "da zu sein" (diese 30-60 Minuten), um so schneller wird es lernen, dass Sie zuverlässig bei ihm sind - und so Sicherheit, Vertrauen und Ruhe gewinnen. Erziehung ist immer eine Beziehungssache! Und Beziehungen zu pflegen kostet Zeit! Aber: Keine Sorge, es kann noch einen, noch drei oder noch 10 Monate dauern, dass sich Ihr Kind nur durch Ihre Nähe sicher und geborgen fühlt, und dann wird es den Rest seines Lebens alleine einschlafen wollen! Dann wird es Ihre Zeit für Hausaufgaben, für Gespräche über Freunde, "doofe" Lehrer oder den ersten Liebeskummer brauchen.
8. Tun Sie etwas für sich in der Einschlaf-Zeit. Entspannen Sie, denken Sie über etwas ganz Konkretes nach, zu dem Sie tagsüber keine Zeit haben, versenken Sie sich in schöne Wachträume oder Phantasiereisen, machen Sie sich eine Schönheitsmaske. Je entspannter und sicherer Sie neben dem kleinen Jungen liegen, umso schneller wird er schlafen. Sie tun viel damit für Ihr Vertrauensverhältnis. Und es ist nicht so schlimm, wenn man sich für die paar Monate positiv darauf einstellt....
Tja, ein "Wundermittel" Marke "Holzhammer", fällt mir leider auch nicht ein.
PS.: Meine eigenen Kinder sind jetzt 16 und 12. Eine der liebsten Erinnerungen an die Kleinkindzeit sind mir heute die intimen und entspannenden Minuten, in denen wir allabendlich - gemütlich nebeneinander gekuschelt - versucht haben, nach dem spannenden Mütter-/Kindertag zur Ruhe zu kommen. Übrigens: Zweite Kinder brauchen diese abendliche Zuwendung meist nicht mehr oder nur viel weniger...
Herzlichen Gruß und alles Gute,
Daniela Liebich
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