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Gespensterfest

 
Schon seit einigen Tagen reden die Kinder vom Fasching. "Ich gehe als Prinzessin", sagt Almut, "meine Mama näht mir ein Kleid!" "Langweilig!" findet Sarah. "Ich bin lieber eine Räuberbraut!" Christoph und Carlo wollen sich als Indianer verkleiden, Sergio als Cowboy. Damiano und Ree, Ephtalia und Valeria verstehen kein Wort.
Wovon reden die Kinder? Wieso wollen die sich verkleiden? In der Verkleidungskiste ist überhaupt kein Kostüm für einen Indianer. "Machen wir ein Fest?" fragt Sabrina heute morgen die Erzieherin Heike. Heike nickt. "Besprechen wir nachher!" Als alle Kinder im Stuhlkreis sitzen, erklärt Heike den Kindern, die Fasching oder Karneval noch nie erlebt haben, was es mit diesem Brauch auf sich hat.
Ephtalia sagt traurig: "Aber meine Mama kann nicht nähen!" und Ree meint: "Ich nicht kommen an diese Fest!" Heike sieht die Kinder in ihrem Stuhlkreis an und sagt: "Nicht alle Kinder können sich ein Kostüm kaufen, nicht alle Kinder haben Verwandte, die ein Kostüm nähen können. Manche kennen auch unsere Feste nicht gut genug, um sie zu verstehen. Ich mache deshalb einen Vorschlag: Wir machen dieses Jahr ein 'Burgfest'! Prinzessinnen haben wir ja bereits - was brauchen wir noch?"
Die Kinder beraten lange. Sergio will jetzt lieber einen Ritter machen und Christoph den Drachen, der unweit der Burg lebt. Sarah kann die Räuberbraut bleiben, und Carlo entscheidet sich für den Räuberhauptmann. Heike erzählt den Kindern vom Leben, den Bräuchen und Sitten auf einer Burg. Sie erzählt auch von den Gespenstern und Geistern, an die die Menschen früher geglaubt haben. Daraufhin wollen alle Kinder Gespenster sein. Aber diese Verkleidung hat Heike für Damiano und Ree, für Ephtalia und Valeria vorgesehen. In alte Bettücher schneidet sie große Löcher und hängt den Kindern das Geistertuch um.
"Was machst du an unserer Faschingsfeier?" wollen die Kinder von Heike wissen. "Verrate ich nicht!" sagt Heike. Aber die Kinder lassen ihr keine Ruhe. "Ich verkleide mich als Zahnbürste", lacht Heike. "Wartet mal ab!"

Am Fastnachtsdienstag kommen alle Kinder zum Fest. Heike hat den Gruppenraum mit großen Tüchern in eine Burg verwandelt. Sie selbst hat sich nicht als Zahnbürste, sondern als Minnesänger verkleidet. Sie hat eine bunte Baskenmütze auf dem Kopf und die Gitarre umgebunden.
Ephtalia und Ree kommen ohne Verkleidung. Heike verschwindet mit ihnen ins Büro. Sie zieht jedem das Leintuch mit Loch über und malt mit weißer Farbe das Gesicht an. "Ohh, schrecklich", sagt Ephtalia, als sie in den Spiegel sieht. Ree schneidet Grimassen und streckt sich selbst die Zunge raus.
Valeria möchte nicht als Gespenst verkleidet werden. Da bindet ihr Heike das weiße Tuch über die Schultern und schneidet ihr aus Goldpapier eine Krone. "Nun bist du ein fremdes Burgfräulein, das zu Besuch kommt und von den Burggeistern erschreckt wird." Valeria lacht. Sie holt sich aus der Verkleidungskiste ein Stück alten Vorhang und zieht ihn über den Kopf. Nun sieht sie aus wie eine Braut. "Ich heirate auf der Burg", sagt sie. "Und dann kommen die Gespenster und verjagen dich!" sagt Ree. "Nein", entscheidet Valeria, "ich verjage euch!"
Damiano hat von seiner Mutter eine weiße Mütze mitbekommen. Er darf zwei Löcher für die Augen hineinschneiden. Als er die Mütze über den Kopf zieht, kann man ihn wirklich nicht mehr erkennen. "Huhuhu!" johlt er und macht ein Gespenstergeschrei.

Endlich beginnt das Fest: Es gibt Burgbrezeln und Gespenstertee. Heike macht mit allen Kindern einen Gespenstertanz und spielt auf ihrer Gitarre das Lied vom furchtbaren Drachen auf der Drachenburg. Dazu darf Christoph, der Drache, umhergehen und sich kraulen lassen. Das gefällt allen, weil er dadurch ein nicht ganz so furchtbarer Drache wird.
Dann erklärt Heike, dass in der Burg ein Schatz versteckt ist. Alle Kinder suchen. Der Drache und auch die Gespenster haben rote Köpfe vor Eifer. Aber der Schatz ist gut versteckt. Schließlich finden ihn die Burgfräuleins. Es ist eine Keksdose, die mit Goldpapier ausgeschlagen ist. Drinnen liegen viele bunt schimmernde Murmeln. Die Kinder dürfen mit den Murmeln spielen, und Heike erzählt die Geschichte vom kleinen dicken Ritter. Zum Schluss ziehen die Kinder verkleidet durch den ganzen Kindergarten.

Am nächsten Morgen ist der Spuk vorüber. Das Gruppenzimmer sieht aus wie immer, und kein Kind kommt mehr als Gespenst oder Raubritter. "Warum heute nicht?" fragt Ree, und Damiano will das weiße Tuch suchen, das er als Gespenst umhatte. "Fasching ist doch vorbei", lacht Sarah. "Bis nächstes Jahr!" "Schade!" sagt Damiano. "Ich gerne Gespenst das ganze Jahr!"

aus:
Christine Merz: Was Kinder bewegt
Verlag Herder, Freiburg 1996 (2. Aufl.)
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