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Zu viele Pummelchen
Wohlfühlgewicht statt Übergewicht
von Ute Kallenbach
 

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© Igor Stepovik - fotolia

Kein Kind möchte gerne ein Pummelchen sein. Aber bereits jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugend-
liche in Deutschland sind heute übergewichtig - in anderen Industriestaaten sieht es nicht besser aus. Ihre Zahl hat sich in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt. Experten sprechen von einer "Fettsucht-Epidemie" und halten massives Übergewicht (Adipo-
sitas) mittlerweile für das am schnellsten wachsende Gesundheitsrisiko.
Dabei geht es um viel mehr als ein kosmetisches Problem: Beim Baby ist ein bisschen Speck noch niedlich, aber bei Kindern und Jugendlichen kann
er schnell zu einer ernst zu nehmenden Gesundheitsstörung wie z.B. Diabetes, Bluthochdruck, Gelenkleiden oder Wirbelsäulenschäden führen.

Wann ist ein Kind übergewichtig?

Weil Kinder noch wachsen, ist es normal, wenn sie zeitweise schmal oder auch mal mollig sind. Relativ einfach und sicher beurteilen lässt sich das Körperge-
wicht mit dem so genannten Body-Mass-Index (BMI). Wiegt beispielsweise ein siebenjähriges Mädchen 24 kg und ist 1,23 Meter groß, ergibt sich daraus ein BMI von 15,9 (Körpergewicht in kg dividiert durch Körpergröße in Metern zum Quadrat). Aus Tabellen läßt sich ablesen, dass der errechnete Wert für ein Mädchen in diesem Alter normal ist.
Eine gute Orientierung, ob ein Kind zu schwer ist, geben meist auch schon die Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt. Anhand des gelben Untersuchungs-heftes können Eltern leicht verfolgen, ob sich das Gewicht im Normalbereich bewegt.

Woher kommen die Fettröllchen?

Ein Kind wird zu dick, wenn es über längere Zeit zu viel isst, sich zu wenig be-
wegt und ein falsches Essverhalten erlernt hat. Genetische Faktoren können zusätzlich eine Rolle spielen, aber Ernährungsexperten sind sicher, dass mit einer ausgewogenen Ernährung und einem sinnvollen Bewegungsverhalten auch Menschen mit einer ungünstigen genetischen Disposition ein normales Gewicht halten können. Nur selten liegt eine besondere Grunderkrankung vor, die das Übergewicht verursacht.

Die steigende Tendenz zu Übergewicht ist vielmehr die Kehrseite unseres mo-
dernen Lebensstils: Nahrungsmittel sind ständig verfügbar, gegessen wird häufig nur noch beiläufig (z.B. vorm Fernseher), das Gefühl für Hunger und Sättigung geht mehr und mehr verloren. Pummelige Kinder werden von Mitschülern wegen ihres Aussehens gehänselt, fühlen sich als Außenseiter und haben oft ein gerin-
ges Selbstwertgefühl. Das wiederum verstärkt das Bedürfnis nach Schutz (durch Dicksein). Ein Teufelskreis entsteht, der nur schwer zu durchbrechen ist.

Abnehmprogramme für Kinder und ihre Familien

Ernährungsexperten raten Eltern, ihr Kind keinesfalls in Eigenregie auf eine Diät zu setzen, auch wenn es tatsächlich zu dick ist. Stattdessen sollten zunächst die "Dickmacher" Süßigkeiten, Kuchen, Pommes, fette Wurst und fetter Käse be-
grenzt, die Gemüseration dagegen erhöht werden. Eine solche "optimierte Misch-
kost" empfiehlt das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund (FKE) schon vorbeugend gegen Übergewicht.
Für Kinder, die aufgrund ihres Übergewichts fachkundige Hilfe brauchen, werden inzwischen bundesweit verschiedene ambulante Programme angeboten, aller-
dings längst noch nicht flächendeckend. Die meisten setzen auf mehr Bewegung, gesünder essen und Verhaltensänderung im Alltag und beim Umgang mit Proble-
men. Am besten macht dabei die ganze Familie mit.

Unter dem Motto "Gemeinsam schaffen wir es!" wendet sich beispielsweise das Freiburger Projekt FITOC (Freiburg Intervention Trial for Obese Children) schon an Kinder ab vier Jahren (http://www.fitoc.de). Über acht Monate hinweg bietet es mehrmals pro Woche Sport, Kinderkochnachmittage und Elternabende an, er-
gänzt durch Ernährungsberatung, medizinische und psychologische Untersuchun-
gen. Auf diese Intensivphase folgt eine Überwachungsphase von vier Monaten oder länger. Das Programm gilt als sehr erfolgreich, denn mehr als 70 Prozent der beteiligten Kinder haben abgenommen, sind körperlich wieder fit geworden und auch nach zwei Jahren noch geblieben. Inzwischen gibt es bundesweit 15 weitere FITOC-Gruppen.

Zusammen toben, kochen, Spaß haben und dabei abnehmen können auch Kin-
der beim Modellprojekt "Moby Dick" in Hamburg. Schwerpunkte sind auch hier Bewegungs- und Ernährungstraining sowie die Stärkung von Körperwahrneh-
mung und Selbstbewußtsein. Die Eltern werden ebenfalls in das einjährige Pro-
gramm mit einbezogen. Das bundesweite Moby-Dick-Netzwerk umfaßt mittler-
weile 16 Gruppen.

Die Kieler Studie KOPS (The Kiel Obesity Prevention Study) setzt besonders auf frühzeitige Prävention in Zusammenarbeit mit Schulen. Dazu werden bei den Einschulungsuntersuchungen jährlich 500 bis 1000 Kinder gezielt auf ihr Adipo-
sitas-Risiko hin untersucht und an drei Modellschulen spezielle Angebote zur Ge-
sundheitsförderung für Schüler und Lehrer gemacht. Für Risikofamilien gibt es Verhaltensschulungen und Sportprogramme.
Weitere Adressen von Gruppen vor Ort nennen Kinderärzte, Krankenkassen und auch der Verband der Diplom-Oecotrophologen (VDOE). Ob die Kassen die Kos-
ten für die Teilname an einem ambulanten Programm übernehmen, wird zur Zeit noch im Einzelfall entschieden.

Weil es nicht nur Sache der Eltern ist, Kindern eine ausgewogene Ernährung an-
zubieten, führt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. in Kindergärten die Aktion "FIT KID" durch. Dabei werden Erzieherinnen und Erzieher über Kin-
derernährung und Ernährungserziehung bundesweit informiert und geschult.
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