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Übergewicht

 

Frage:

Hallo, ich habe folgendes Problem: Meine Tochter (sieben Jahre) hat ziemliches Übergewicht, sie wiegt 36 kg. Wir haben schon in der Anfangszeit viel Mist gemacht bei der Ernährung. Doch dann kamen Trennung und Scheidung und alles wurde nur schlimmer. Wir waren in der Mutter-Kind-Kur, da sagte man: nein, es wäre nicht schlimm, das wächst sich raus. Hier kriege ich auch keine Hilfe. Meine Tochter ist in Therapie wegen ihrer Seele. Sie kann permanent essen, egal was. Sie selbst nimmt es auch schon sehr mit. Aber wir kriegen es nicht hin. Ihr fehlt es an Mut, das durchzuziehen. Ich habe die Ernährung schon umgestellt. Bitte sagen sie mir was ich noch tun kann?

Antwort von Daniela Liebich:

Gut dass Sie sich aufmachen wollen, das Problem wirklich anzugehen, denn Ihre kleine Tochter leidet sicherlich darunter. Meistens sind vererbte Anlagen die wichtigste Grundlage für Übergewicht. Wie geht es Ihnen denn selbst mit Ihrem Essverhalten und Ihrem Gewicht? Leider ist es so, dass man mit reinen Diäten bei Kindern (wie auch bei Erwachsenen) nur in seltenen Fällen langfristigen Erfolg hat.
Grundsätzlich wichtig sind zwei Dinge, die Sie ja bereits auch tun: eine wirkliche Ernährungsumstellung (Gemüse, Obst, Vollwertprodukte) und eine seelische Therapie, wenn das Kind etwas Belastendes erlebt hat - vorausgesetzt, sie geht da wirklich gerne hin!
Zunächst nun einige ergänzende Gedanken zur Ernährung:
- Dem Kind das Essen zu verbieten geht nicht!! Niemand darf jemand anderen zum hungern oder essen zwingen. Das verletzt und demütigt! Essen ist ein Grundbedürfnis und fasten kann man nur freiwillig. Abnehmen tut man nur aus eigener Motivation zum eigenen „richtigen" Zeitpunkt - das weiß jeder von sich selbst. Aber:
- Lassen Sie ihr keinen freien Zugang zu Nahrungsmitteln und Süßigkeiten, außer Obst.
- Zwischen den Mahlzeiten wird - außer Obst - nichts gegessen. Sprechen Sie das mit ihr ab, es zu versuchen. Natürlich gibt es da manchmal Ausnahmen.
- Allerdings sollte Sie, auch zwischen den Mahlzeiten viel trinken, stilles Mineralwasser, entschlackenden Tee, stark verdünnten ungesüßten Saft. Das schwemmt aus und nimmt den Hunger.
- Cola oder Limo können Sie natürlich nicht ganz vorenthalten. Aber es ist sinnvoll, sie zum Beispiel nur in Ausnahmesituationen zu trinken: im Restaurant, bei Feiern, in den Ferien mal o.ä.
- Ähnlich mit Süßigkeiten: nicht ganz verbieten, aber sehr Maß halten! Vom Taschengeld zum Beispiel kauft sie, was sie will!
- Als Regel bei den Mahlzeiten gilt: Sie entscheiden, was auf den Tisch kommt, Ihr Kind, wieviel es davon isst!
- Lassen Sie sie bei der Zubereitung des Abendessens helfen, also „mit kochen". Gehen Sie dabei ruhig auch auf ihre Wünsche ein.
- Essen Sie immer gemeinsam, versuchen Sie lustig und fröhlich zu sein (auch wenn das oft schwer fällt), und gestalten Sie die Mahlzeit so angenehm wie möglich: schön gedeckter Tisch, Zeit, und lassen Sie sie erzählen. Lernen Sie zuzuhören, nachzufragen ohne gleich Tipps, Ratschläge, Kritik oder auch Trost bereit zu haben.
Als zweiter wichtiger Punkt erscheint mir hier nicht die Frage weshalb sie soviel isst, sondern: was könnte sie tun, statt zu essen?
- Dazu muss man sich nun als erstes fragen: was fehlt dem Kind. Was bekommt es durch das viele Essen? Eventuell Aufmerksamkeit von Ihnen? Eventuell will sie zeigen, dass es ihr schlecht geht. Oder was könnte es sonst sein? Ohne dass Sie ihr das geben, auch wenn sie nicht isst, wird sie nicht abnehmen können.
- Ich denke, Sie sollten versuchen, viel mit ihr über die zurückliegende Trennung zu sprechen. Ihre Tochter muss die Angst, die Wut, die Traurigkeit aussprechen dürfen, ohne geschimpft oder gar bestraft zu werden. Sagen Sie ihr, dass Sie sie gut verstehen, nehmen Sie sie in den Arm, sagen Sie ihr, dass es für Sie selbst auch schwer ist, vielleicht sollten Sie auch noch viel gemeinsam darüber weinen. Und: sagen Sie ihr immer wieder, dass Sie nicht an der Trennung schuld ist!
- Fragen Sie sie vielleicht einmal, was sie sich wünschen würde, wenn eine Fee käme und sie drei Wünsche frei hätte; wahrscheinlich betrifft es Ihren früheren Partner, oder sie wünscht sich eine beste Freundin oder.... hören Sie mal einfach zu und helfen Sie ihr (wenn es denn möglich ist) bei der Verwirklichung. Was würde sie glücklich machen?
- Der wesentlich Punkt aber scheint mir die Frage: was könnte sie tun, statt zu essen. Also: mit was würde Sie sich wirklich gerne beschäftigen, oder es lernen. Ich denke, sie bräuchte ein intensives Hobby, das sie begeistert. Natürlich wäre es gut, wenn es mit Bewegung zu tun hätte - müsste aber nicht mal sein, ich denke es geht zunächst um Ablenkung. Vielleicht machen Sie mal mit ihr eine Liste, was das sein könnte, was ihr liegt.
- Zum Beispiel Reiten - mit Pferdepflege (wäre optimal); jede Art von Sport, Singen oder Tanzen (für Jazztanz oder Hip-Hop muss man nicht ganz schlank sein!), ein Musikinstrument, Theaterspielen, Tiere, ein Haustier, Malen, Werken oder alles, auf was sie Lust hätte. Wichtig ist, dass man sich theoretisch (Bücher, Ausstellungen, Besichtigungen, Internet etc.) und praktisch damit beschäftigen kann, es lernen kann. Je aktiver man ist, um so weniger isst man.
- Helfen Sie ihr auch, mit Ihrer Figur umzugehen. Durch geeignete „coole" Kleidung und einen passenden flotten Haarschnitt kann man auch mit etwas Übergewicht nett und sympathisch aussehen.
- Sprechen Sie auch mit der Lehrerin, wenn Sie merken, dass die anderen Kinder sie hänseln oder ausschließen, dass sie sie unterstützt.
Abschließend noch eine vielleicht sonderbare und widersprüchliche Frage an Sie: Gibt es etwas, fällt Ihnen etwas ein, was Sie tun könnten, damit sie noch m e h r essen würde? Wenn sie das wissen, sollten Sie das vor allem vermeiden!
Und der letzte Tipp, der aber der Wichtigste ist: „Ob dick oder dünn, ich hab dich lieb und bin stolz auf dich!"
Sie muss wissen: auch wenn es mir schlecht geht und ich mich wenig „liebenswert" verhalte, Mami hat mich am allerliebsten auf der ganzen Welt, sie ist froh, dass es mich gibt und bleibt immer bei mir, durch dick und dünn!!

Ich wünsche Ihnen beiden alles Gute, und vielleicht haben die Leute aus der Kur ja Recht und es ist wirklich nur eine Phase und in einigen Monaten, wenn Sie beide wieder glücklicher und stabiler sind, lachen Sie darüber.
Herzliche Grüße,
Daniela Liebich
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