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| Ich bin keine Super-Mama! |
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 Felicitas Römer Mütter haben es oft schwer: Ob im Haushalt, im Beruf, in der Partnerschaft oder in der Kindererziehung - überall ist Perfektion das Maß aller Dinge. Aber niemand ist eine Supermama! Übersteigerte Ansprüche führen zu nichts als Schuldgefühlen und Unzufriedenheit und das kann auch für die Familie nicht gut sein, findet die Autorin und vierfache Mutter Felicitas Römer. Im Interview mit mobile-elternmagazin.de spricht sie über ihr Buch zu diesem Thema, über Perfektionismus und das ewige schlechte Gewissen.
mobile-elternmagazin.de: Frau Römer, Sie beschäftigen sich in ihrem Buch mit den Schuldgefühlen von Müttern. Warum haben denn so viele Familienfrauen ein schlechtes Gewissen?
Felicitas Römer: Das liegt an der ausgeprägten Tradition, Müttern die alleinige Schuld für so genannte "Fehlentwicklungen" der Kinder in die Schuhe zu schieben. Zum Beispiel war man lange davon überzeugt, dass Kinder autistisch wurden, weil die Mutter emotional unterkühlt war. Mittlerweile ist das widerlegt, aber in unseren Köpfen spukt immer noch die Idee herum, dass an kindlichen Verhaltensauffälligkeiten immer eine "schlechte" Mutter schuld ist.
Außerdem ist das Bild von der "guten Mutter" so idealistisch überhöht, dass man eigentlich daran scheitern muss. Als Synonym für "mütterlich" steht heute noch im Wörterbuch: "aufopfernd, selbstlos, betulich." Mütter sind aber ganz normale Menschen und haben auch Bedürfnisse.
mobile-elternmagazin.de: Welche Rolle spielen dabei Erwartungen und Ansprüche von außen?
Felicitas Römer: Es besteht ja immer noch gesellschaftlicher Konsens darüber, dass Mütter die Hauptverantwortung für Kinder und Familie zu übernehmen haben. Diese Erwartung haben wir natürlich verinnerlicht. Die heutigen Ansprüche an Mütter sind jedoch so hoch, so komplex und so widersprüchlich wie noch nie. Es geht in der Erziehung ja nicht mehr nur darum, Kinder irgendwie "groß zu kriegen", sondern man soll sie ja maximal lieben, fördern und glücklich machen.
Dazu kommen noch andere Erwartungen an Mütter, etwa erfolgreich im Job und finanziell unabhängig zu sein, sich selbst zu verwirklichen, schön und schlank zu sein, jung auszusehen etc. Je mehr Anforderungen an uns Mütter gestellt werden, desto schwieriger ist es, alle auch zu erfüllen. Und dann ist das schlechte Gewissen nicht weit.
mobile-elternmagazin.de: Haben Mütter denn einen Grund, sich schuldig zu fühlen, machen sie wirklich so viele Dinge falsch?
Felicitas Römer: Nein, die meisten Mütter sind verantwortungsvolle Mütter, die sich gut um ihre Kinder kümmern und viel Energie, Zeit und Liebe in ihr Familienleben investieren. Mütterliche Schuldgefühle basieren häufig auf der bloßen Befürchtung, schuldig zu sein oder etwas falsch zu machen, z. B. wenn es Konflikte in der Familie gibt. Schuldgefühle zu haben, bedeutet nicht, auch tatsächlich Schuld zu haben!
mobile-elternmagazin.de: Was sind alltägliche Situationen, in denen Mütter ein schlechtes Gewissen bekommen?
Felicitas Römer: Mütter bekommen oft ein schlechtes Gewissen, wenn sie meinen, zu wenig Zeit für die Kinder zu haben, sie zu wenig zu fördern oder ihnen nicht genug bieten zu können. Auch wenn sich Mütter von ihren Männern trennen, spielen Schuldgefühle den Kindern gegenüber eine große Rolle. Mütter leiden auch unter einem schlechten Gewissen, wenn sie sich selbst als ungerecht den Kindern gegenüber empfinden, ungeduldig sind oder wütend werden. Und natürlich fragen sie sich, was sie wohl alles falsch gemacht haben, wenn das Kind Kummer hat, sich widerspenstig zeigt, die "falschen Freunde" hat oder zu klauen anfängt.
mobile-elternmagazin.de: Schuldgefühle sind kein guter Erziehungsratgeber. Welche Auswirkungen auf die Familie haben permanente mütterliche Schuldgefühle?
Felicitas Römer: Schuldgefühle führen bei Müttern oft dazu, dass sie sich für die Familie "aufopfern", um ihre vermeintliche Schuld abzutragen. Mütter tun dann unendlich viel für die anderen Familienmitglieder, kommen dabei selber aber emotional zu kurz. Außerdem neigen manche schuldgeplagte Mütter dazu, ihre Kinder zu verwöhnen, sie lassen ihnen zu viel "durchgehen" und meiden Auseinandersetzungen.
Andere Mütter werden aus lauter Sorge, etwas "falsch" oder nicht gut genug zu machen, perfektionistisch und kontrollierend, was für Kinder und Männer zwar ganz praktisch ist, aber auch anstrengend sein kann.
mobile-elternmagazin.de: Was raten Sie Müttern, die sich von ihrem schlechten Gewissen befreien wollen? Was hilft ihnen, wenn sie in die Gewissensfalle tappen?
Felicitas Römer: Das schlechte Gewissen bewusst wahrzunehmen ist eigentlich schon der wichtigste Schritt. Dann kann man sich fragen, ob der eigene Anspruch überhaupt realistisch ist. Wenn er das nicht ist, kann ich das schlechte Gewissen schon loslassen. Andernfalls kann ich mich fragen, was ich tatsächlich "verschuldet" habe: Habe ich jemandem wehgetan, jemandem Schaden zugefügt? Kann ich diesen wieder gutmachen?
Überhaupt ist es sinnvoll, den Begriff der Schuld durch den der Verantwortung zu ersetzen. Die Frage lautet dann nicht mehr: "Bin ich schuld?", sondern: "Wofür bin ich verantwortlich und wofür nicht?" Schon dieser Perspektivwechsel bringt oft Erleichterung.
mobile-elternmagazin.de: Keine "Super-Mama", sondern eine ganz normale Mutter - wie sähe ein solches Mutterbild aus?
Felicitas Römer: Ich möchte eigentlich kein neues Mutterbild entwerfen. Vielmehr möchte ich in meinem Buch Mütter ermutigen, sich und die eigenen Bedürfnisse ernster zu nehmen und die eigenen Verhaltensweisen wohlwollend zu betrachten. Mütter sind oft sehr kritisch mit sich und erkennen sich zu wenig an, was sie täglich alles gut machen. Wenn sie ihre Leistungen besser wertschätzen könnten, hätte auch das schlechte Gewissen keinen so großen Platz mehr.
Und ich würde mich freuen, wenn Mütter humorvoll zu ihren eigenen ganz normalen Unzulänglichkeiten stehen könnten. Das könnte das Familienleben sehr entspannen!
Felicitas Römer
Ich bin keine Super-Mama!
Schluss mit dem schlechten Gewissen
Verlag Herder 2008
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