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Kindergarten | Kigazeit
Kinder unter drei Jahren im Kindergarten
Wie Kigas auf den "Frühstart" eingerichtet sein sollten
von Gabriele Haug-Schnabel
 
Mit einer simplen "Öffnung nach unten" ist es nicht getan: Nimmt ein Kindergarten Kinder unter drei Jahren auf, muss sich die Einrichtung auch auf die betreffenden Bedürfnisse der Kleinen ein- und umstellen. Und die unterscheiden sich sehr von denen der Dreijährigen.
 
 
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© Artyom Yefimov - fotolia.com

Ist der Rechtsanspruch der Dreijährigen auf einen Kindergartenplatz erfüllt und sind noch Plätze frei, können nach Änderung der Betriebserlaubnis Zweijährige in die Einrichtung aufgenommen werden. Werden die Kleinen heutzutage früher kindergartenreif? Nein, Zweijährige sind auch heute noch zu jung für den Besuch eines "klassischen" Kindergartens, konzipiert für die Betreuung und Förderung von Kindern zwischen drei und sechs, maximal sieben Jahren. Soll dieses Vorhaben gelingen, muss sich der Kindergarten neu konzipieren, um eine stärkende und gewinnbringende Sozialisationsstation für Kinder unter drei Jahren zu sein.

Warum die Öffnung "nach unten"? Die Idee dahinter

Zu wenige Dreijährige kommen heute in den Kindergarten, um alle Plätze zu besetzen. Gleichzeitig gibt es für Kinder unter drei zu wenige Kinderkrippen So suchte man nach einer Lösung, die beides auffängt. Unter den Gesichtspunkten der Entwicklungsförderung und Elementarpädagogik wären weniger Kinder in den Kindergartengruppen nur zu begrüßen. Doch das große Umdenken bezüglich Kindheit und darauf abgestimmte Betreuungs- und Bildungsangebote hat noch nicht begonnen, so dominieren finanzielle Erwägungen mit Angst vor Gruppen-schließungen und Arbeitsplatzverlust für viele ErzieherInnen. Ein neuartiger Bedarf an Fremdbetreuungsplätzen macht sich bemerkbar, der sich vor allem in einer speziellen Nachfrage nach Betreuungsangeboten für die Zweijährigen äußert. Und der Kindergarten reagiert mit einem neuen Angebot, das an den "Kundenwünschen" der Eltern orientiert ist. Kinder zwischen 24 und 35 Monaten können stundenweise, halbtags, sogar ganztags aufgenommen werden. Ihnen werden Betreuung, Anregung und Sozialkontakte mit Kindergartenkindern geboten. Doch damit ist es nicht getan. Der Kindergarten muss reif für die Zweijährigen werden. Er muss so konzipiert und organisiert sein, dass die Kleinen von einem vorgezogenen Kindergartenstart profitieren und die Vorteile von gleichaltrigen und älteren Spielpartnern erleben können.

Voraussetzungen für eine gelungene Aufnahme von Kindern unter drei Jahren

Die Vorbereitungen sind noch nicht abgeschlossen, wenn ein Wickel- und ein Schlafplatz hergerichtet, ein Korb "Babyspielzeug" beigeschafft und vergessene Fingerspiele wieder präsent sind. Wenn gemäß der bisherigen Betreuungs-, Förderungs- und Erziehungsvorstellungen "zu kleine" Kinder in die Einrichtungen kommen, stehen ganz andere Aufgaben an. Es sind wichtige konzeptionelle Umstellungen, die weitreichenden Einfluss auf die Arbeit der Erzieherin nehmen.

Es beginnt damit, dass die Entscheidung, Kinder unter drei Jahren aufzunehmen, eine Teamentscheidung sein muss, selbst wenn nur eine oder zwei Gruppen der Einrichtung Kleine bekommen. Automatisch muss gruppenübergreifender gearbeitet werden, denn regelmäßige altersgleiche Angebote sind angesagt. Das verlangt Absprachen zwischen den Erzieherinnen. Es muss klar sein, wer ein Angebot für die Kleinen macht, wer Ansprechpartner der Drei- und Vierjährigen ist und wer die Fünf- und Sechsjährigen bei ihren Projekten begleitet. Die Altersmischung lebt davon, dass sie nicht dauernd verordnet, sondern punktuell gewollt ist.

Die Eingewöhnung entscheidet über den Kindergartenerfolg. Heute wird vor dem Hintergrund der frühen Bindungsprozesse elternbegleitet und bezugsperso-nenorientiert eingewöhnt. Das gilt in besonderem Maße für die Zweijährigen. Ein Elternteil begleitet das Kind die erste Zeit in der Einrichtung und baut einen zugewandten Kontakt zur Erzieherin auf, die das Kind eingewöhnt. Die bewusste Öffnung der Mutter-Kind-Beziehung ist ein wichtiger positiver Faktor für die Erweiterung des Bezugspersonenkreises und für die Entwicklung des Kindes in einer außerfamiliären Betreuung. Dabei sollte die eingewöhnende Erzieherin weitgehend von anderen Aufgaben freigestellt sein.

Untersuchungsergebnisse zeigen eindeutig, dass die erwachsene Bezugsper-son, die das Kind eingewöhnt hat, auch anfangs der auserwählte Ansprechpart-ner in allen Befindlichkeiten ist, zum Beruhigen, Zeigen, Spielen, Schimpfen und Lachen. Über die Erwachsenen wird Kontakt zu den von Anfang an interessanten Kindern und deren anregenden Aktivitäten aufgebaut. Das kleinkindliche Spiel fordert passende Antworten vom Spielpartner, eine hohe Ansprechbarkeit und einfühlsame Abstimmung auf das momentane Befinden, womit Gleichaltrige überfordert sind.

Überschaubarkeit scheint das Zauberwort zu sein. Die tägliche Stundenzahl, mit der ein Kind seine Fremdbetreuung beginnt, muss überschaubar und verkraft-bar sein. Das Ende sollte nicht erlitten, sondern als Mutter oder der Vater sollten Sie von Ihrem Kind relativ ausgeglichen erwartet und freudig begrüßt werden. Ebenso überschaubar sollte die Zahl der in nächster Nähe spielenden Kinder sowie die Quantität der Spielangebote sein. Klare Strukturen, Abläufe, die wiedererkannt werden und Reaktionen, die vorhersagbar sind und Orientierung und Sicherheit geben, erlauben Interesse für mehr und Neues.

Starterleichterungen:


- Der Kindergarten sollte nie zeitgleich mit dem Wiedereinstieg in den Beruf starten, da sonst die Eingewöhnung unter Zeitdruck geschieht.
- Teilen Sie den ErzieherInnen den Namen des Kuscheltiers, die Bezeichnung für Schmusetuch und Schnuller, aber auch Vorlieben und Abneigungen des Kindes mit, damit Fremdheit schwindet.
- Eingewöhnen sollte das Kind, wer ihm nahe ist, es aber auch los lassen kann und zur Entscheidung einer stundenweisen Fremdbetreuung steht.
- Versprechungen wie "Wenn du nicht weinst, dann machen wir heute Abend etwas Tolles!" sollten Sie vermeiden, denn sonst lernt das Kind, es durchzustehen, aber nicht sich zu trösten und mit Hilfe ins Geschehen einzusteigen.

Zweijährige im Kindergartenalltag

Der Betreuungserfolg erweist sich im Alltag. Ausschlaggebend ist der Start. Bereits beim Anmeldungsge-spräch sollte Ihnen klar werden, dass die Erzieherinnen die familiären Realitäten berücksichtigen werden. Umgekehrt sind auch für Sie als Eltern die besonderen pädagogischen Grundsätze für die Aufnahme Zwei-jähriger bindend. Die Eingewöhnung kann nur zusammen mit Ihnen als Bezugsperson gelingen. Hierbei sollten die ErzieherInnen für Ihr Kind individuelle Verweildauern in den ersten Tagen festgelegen wie auch die individuelle Dauer der Eingewöh-nungszeit mit Ihnen absprechen. Wichtig ist ein liebevoller, aber eindeutiger Abschied mit pünktlicher Rückkehr, gefährlich ein heimliches Davonschleichen.

Eine Garantie für geglückte Eingewöhnung gibt es nicht. Gelingt es über Wochen der neuen Bezugsperson nicht, ein Kind zu beruhigen und zu trösten, muss nach geeigneteren Betreuungsalternativen gesucht werden, bis das Kind älter und tatsächlich kindergartenreif ist.

Weitläufigkeit contra Überschaubarkeit: Größe und Vielfalt der Einrichtung sind anfangs nicht attraktiv: Neben der Erzieherin mit Lilli (auch 2) über Kissen zu hüpfen ist begehrter, als allein die große Korbschaukel aufzusuchen. Mit dem Frühstücksdienst zum Bistro zu gehen, ist kein verlockendes Abenteuer, sondern eine Katastrophe. Dagegen bringt, neben seiner Erzieherin zu sitzen, alle Kinder zu beobachten und so viel (oder so wenig) essen zu dürfen, wie man möchte, erste genussvoll erlebte Dazugehörigkeitsgefühle.

Weniger ist oft mehr: Angesagt für die Kleinen sind Blickfänge in Augenhöhe, Tastraupen auf Fußbodensockeln, Spiegelfliesen am Boden, leicht erreichbare Bilder, auf denen "Mama und Papa und ich" zu sehen sind und alles, was sich bewegen und effektvoll bespielen lässt. Naturerlebnisse und sinnliche Erfah-rungen lassen auch die Herzen der Kleinsten höher schlagen. Wer schon mit zwei Jahren in den Kindergarten kommt, kann sich Zeit lassen beim Einstieg.





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