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Dürfen Kindergärten Nutellabrote verbieten?
Süße Frühstücksbrote in der Diskussion
von  Susanne Wesche
 

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© Thomas Strecker

Viele Kindergärten stellen das Thema der gesunden Ernährung ins Zentrum ihrer Bildungsphilosophie. Nicht selten werden generelle Verbote ausgesprochen, die es den Eltern nicht mehr gestatten, Nutella, Honig oder Marmelade als Brotaufstrich mitzugeben. Reagieren die Verantwortlichen über oder sind die Verbote angemessen? Über dieses Thema wird unter Eltern von Kindergartenkindern derzeit angeregt diskutiert.

Statistiken belegen: Rund 12 Prozent der Deutschen leiden an Fettleibigkeit. Schon Deutschlands Kinder werden immer dicker. Falsche Ernährung und Bewegungsmangel sind die vorrangigen Ursachen. Doch zu viele Kilos auf Dauer können Krankheiten wie Diabetes mellitus hervorrufen, besonders Kinder sind gefährdet. Daher sollte von Anfang an auf eine ausgewogene vollwertige Ernährung geachtet werden. Ein einfacher Schritt ist zum Beispiel, Süßigkeiten gegen frisches Obst auszutauschen, dieses ist lecker und nährstoffreich.
Erzieherinnen berichten aus ihrem Praxisalltag jedoch immer wieder von Brotdosen, die täglich das Gleiche beinhalten: Weißbrotscheiben mit Schokocreme, Butterkekse oder süße Krapfen. Auch die von der Werbung als besonders kinderfreundlich suggerierten Pausensnacks wie Milchschnitte und Fruchtzwerge finden sich regelmäßig auf dem Frühstückstisch wieder. Hier wird schon frühzeitig ein Markeninteresse generiert, welches es den Eltern schwer macht, das Drängen der Jüngsten auf Dauer zu negieren. Hier helfen nur Aufklärung und in letzter Instanz Verbote. Doch wer ist berechtigt, diese Einschränkungen und Restriktionen auszusprechen? Liegt die gesunde Ernährung ausschließlich in der Verantwortung der Eltern oder sollte Erzieherinnen und Tagesmüttern ein Mitspracherecht eingeräumt werden?

Frühstücksbuffet im Kindergarten als Alternative

In zahlreichen Einrichtungen werden inzwischen so genannte "freiwillige Regeln" ausgesprochen. Diese sind als Empfehlung und Ratgeber zu verstehen. Sie appellieren an die Erziehungsberechtigten, auf die Ernährung der Kinder zu achten. In anderen Kindergärten werden süße Brotaufstriche generell verboten. Dies wird dann sogar in der Satzung beziehungsweise in den Regularien schriftlich festgehalten. Wieder andere umgehen das Problem, indem sie das Frühstücksbuffet gegen einen Kostenbeitrag selbst zur Verfügung stellen, und den Kindern Obst, Vollkornbrot und gesunde Aufstriche anbieten. Wegen möglicher Allergien bei Kindern oder differenzierten religiösen Essgewohnheiten ist ein reibungsloser Ablauf hier jedoch nicht unbedingt gewährleistet. Auch beklagen manche Eltern mangelnde Einflussnahme beziehungsweise Kontrollverlust über die Menge und Qualität des Frühstücks.
Trotz allem sprechen eine Reihe von weiteren Aspekten für ein Verbot von Nutella & Co im Kindergarten oder noch besser für ein Frühstück, das der Kindergarten selbst zubereitet. Essen alle das Gleiche, kommt es nicht dazu, dass sich zehn Kinder auf ein ungesundes Stück Schokolade des Nachbarsjungen stürzen. Streitigkeiten und Missgunst am Frühstückstisch werden verhindert.
Zum Anlass für das Verbot von Süßigkeiten nehmen viele Einrichtungen außerdem die Problematik der Mundhygiene. Auch wenn es inzwischen fast überall zum normalen Tagesablauf gehört, die Zähne zu putzen, können Erzieherinnen nicht sicherstellen, dass dies im Kindergarten jedes Kind nach dem Essen gründlich umsetzt. Frühe Schädigungen des Milchgebisses können aber unter Umständen negative Einflüsse auf die bleibenden Zähne haben.
Darüber hinaus ist eine gesunde Ernährung die Grundlage für Leistungsfähigkeit. Lernprozesse werden von bewusst ausgewählten Nahrungsmitteln unterstützt - Vollkornprodukte, frisches Obst und Gemüse steigern nachweislich die Möglichkeiten von Körper und Geist. Unterschätzen Sie Ihre Kinder nicht. Es hilft, ihnen dieses Thema schon frühzeitig bewusst zu machen. In einem Glas Nutella sind 150 Stück Würfelzucker enthalten. Baut man daraus eine Pyramide neben dem Glas mit dem süßen Brotaufstrich, wird man auf staunende Kinderaugen treffen. In der Regel legen Kinder großen Wert auf ihr Wohlbefinden und sind offen für alle Fragen der gesunden Ernährung und sportlichen Betätigung. Generelle Verbote führen oft zum Gegenteil - gezielte Aufklärung hingegen verspricht ein aktives Mitwirken der Jüngsten.





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