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Wir Eltern | Geld & Beruf |
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| "Den Frust im Zaum halten" |
Arbeitslosigkeit und die Auswirkungen auf die Familie
von Gerlinde Unverzagt
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"Ich denke immer, ich brauch' das nicht," sagt der neunjährige Max auf die Frage, was er denn tue, wenn er traurig ist, wenn er wieder einmal etwas nicht haben kann, weil kein Geld dafür da ist. Nach kurzem Überlegen fügt er hinzu: "Dann nehme ich meine ganze Kraft und dann geht das." Sein Vater scheint kurz verlegen, dann nickt er, räuspert sich und sagt: "Ja, Kraft kostet das schon." Den Frust im Zaum zu halten, beschreibt er als die schwierigste Aufgabe, die mit der Arbeitslosigkeit einhergehe. "Wenn der Frustfaktor zu hoch wird, kommt nichts Gutes dabei heraus", sagt er, "weder bei der Jobsuche noch in der Familie". Man müsse den Kindern ja auch vorleben, dass es noch andere wichtige Dinge als Geld gebe und ihnen zeigen, dass man sich auch in schwierigen Zeiten nicht so leicht unterkriegen lasse. Auf keinen Fall dürfe man die Kinder plötzlich nach Strich und Faden verwöhnen, weil man aus schlechtem Gewissen heraus ein Gegengewicht zu materiellen Einbußen schaffen wolle. Er hat in anderen Familien, wo plötzlich ein Einkommen wegfiel, immer wieder beobachtet, wie angestrengt die Eltern versuchten, den Anschluss an die soziale Umwelt über den Konsum zu halten und die Kinderzimmer von billigem Plastikspielzeug, Fanartikeln und Süßigkeiten überquollen.
Der Schritt in die Selbstständigkeit wird nicht immer belohnt
Der 41-jährige Vater dreier Kinder hat als Hotel- und Gaststättenfachmann hatte etliche Jahre in gut bezahlten Führungsjobs gearbeitet, bevor er den Sprung in die Selbständigkeit wagte und sein eigenes Bistro eröffnete. Das war vor fünf Jahren. Jetzt ist er seit sieben Monaten arbeitslos, das Café geschlossen, denn die Umsätze blieben - er lacht, "sagen wir mal weit hinter den Erwartungen zurück". Dass das Selbstwertgefühl unter der Arbeitslosigkeit leide, sieht er als Hauptproblem, das unmittelbar auf die Familie durchschlage. "Das ist noch schwieriger zu bewältigen als der finanzielle Engpass." Sicher fehlt das Geld an allen Ecken, doch damit könne man noch halbwegs klarkommen. Aber er wisse, dass es den Kindern etwas ausmache, wenn sie in der Schule gefragt würden, was ihr Vater so mache und dann sagen müssten, dass ihr Vater arbeitslos sei. "Direkt sagen sie ja nichts", meint er, "aber hin und wieder fragen sie, wie es mit den Bewerbungen aussieht und wann ich endlich etwas finde". Und natürlich hat die Zahl der Reizthemen zugenommen, seit das Geld so knapp geworden ist. "Neulich ging die Spülmaschine kaputt, seitdem spülen wir wieder mit der Hand. Klar, dass die Kinder motzen." Besonders Sarah, die vierzehnjährige Tochter, wird jedes Mal stinksauer, wenn kein Geld da ist für den Friseurbesuch, das neue Handy, eine schicke Hose oder den MP3-Player, den schließlich alle in ihrer Klasse auch haben. "Die Vergleiche mit den anderen bleiben nicht aus", wirft seine Frau ein. "Und wir leben in einer Gegend, in der es den allermeisten Leuten richtig gut geht - zwei Urlaube im Jahr, das Auto, das eigene Haus und die neueste Technik für die Kinder, das ist hier normal." Umso bitterer, wenn man selbst das alles nicht haben kann.
Die entstandenen zeitlichen Spielräume können positiv genutzt werden
Neid, Eifersucht, Hilflosigkeit, Scham und die Furcht, zum Außenseiter abgestempelt zu werden, aber auch die ganz alltäglichen Einschränkungen im Konsum setzen Kinder unter erheblichen Stress, mit den Gleichaltrigen mithalten zu können. Da kommt es auf die Eltern an: Bewerten sie beispielsweise ihre durch Arbeitslosigkeit entstandenen zeitlichen Spielräume positiv, können sie ihre Kinder unterstützen. Vermitteln sie, dass es sich um eine Durststrecke, aber keine Katastrophe handelt, beruhigen sich die Kinder ganz schnell. Davon sind diese Eltern überzeugt. Aber auch vom Alter der Kinder hängt ab, wie sie sich mit der Situation arrangieren. Kleinere Kinder wie der neunjährige Max greifen dabei noch eher auf persönliche Ressourcen zurück als größere Kinder wie die 14-jährige Sarah, die über Geld und die Dinge, die man für Geld haben kann, ihren Status in der Gruppe der Gleichaltrigen erobert und festigt. Wer da nicht mithalten kann, ist schnell außen vor. "Ich finde das gemein, dass ich so wenig Geld habe", empört sich Sarah. "Schließlich kann ich doch nichts dafür, dass Papa keine Arbeit hat." Ihre 16-jährige Schwester Miriam schüttelt den Kopf. "Du bist doch blöd", sagt sie, "erstens findet er wieder welche und zweitens müssen wir eine schlechte Zeit eben auch mal zusammen durchstehen". Sie weiß, dass es noch viel Schlimmeres gibt als arbeitslos zu sein. "Wenn sie sich scheiden lassen würden, dann hättest du echt Trauer", sagt sie zu ihrer Schwester. Für die Eltern der drei ist das allerdings kein Thema. "Gott sei Dank", seufzt ihr Vater, "wir kriegen das zusammen ganz gut hin".
Streiten ja, aber nicht vor den Kindern
"Streit gibt es mal, weil ich gerne einen Job finden möchte, der zu meiner Ausbildung passt." - "Ja", wirft seine Frau ein, "und ich finde, er müsste alles nehmen, was er kriegen kann, damit wieder Geld in der Kasse ist". Diese Auseinandersetzungen finden aber auf jeden Fall nicht vor den Kindern statt. Dieses Versprechen haben sie sich gegeben und bis heute nicht gebrochen. Wenn's mal wieder ganz mies scheint, versuchen sie sich beide aufzuzählen, was es eigentlich Positives in ihrem Leben gibt: Die drei Kinder sind gesund, die Eltern halten zusammen und ein Dach über dem Kopf haben sie auch. "Manchmal machen wir Witze darüber, dass sie mich rauswerfen, weil ich ein Loser bin", grinst der Vater. "Dann sag ich ihnen, dass ich unter die Brücke ziehe oder zurück zu meiner Mama gehe." "Find ich nicht witzig", wirft Sarah ein. "Aber weißt Du, was ich echt voll widerlich finden würde?", sie schaut ihren Vater triumphierend an. "Wenn Du jetzt eine Geliebte hättest!" Sarahs Mutter versucht einen drohenden Blick zu ihrem Mann. "Das fehlte gerade noch!" Da bricht die ganze Familie in Gelächter aus. "Eigentlich", japst der Vater, "fehlt uns ja nur Geld".
Mehr Infos und Ratschläge:
www.elternimnetz.de
www.psychosoziale-gesundheit.net
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